Der vernachlässigte Hund
Wir haben einen Hund. Angeschafft als Spielkamerad für unser Einzelkind, haart er seit drei Jahren unser Wohnzimmer voll. Mein Mann hat damals gesagt, die Sache mit dem Hund müsse ich entscheiden. Ich bin ein entscheidungsschwacher Mensch. Aber bei sehr jungen, sehr wolligen Tieren legt sich ein Schalter um. Dann sagt mein Mund „Den nehmen wir“, bevor ich zu denken beginne.
Auf der Heimfahrt, kurz hinter Perchting am Waldrand, hatte der damals noch sehr kleine Hund Durchfall, zuvor hat er drei Mal ins Auto gekotzt, meinem Mann auf die Hose. Unfallfreies Fahren hat er inzwischen gelernt, das Haaren gibt sich nicht so leicht.
Was ein Hund grundsätzlich braucht, glaubte ich immer zu wissen: Fressen, Schlafen, Spazierengehen. Bis ich das erste Mal im Fressnapf war.
Den Fressnapf kennen Menschen ohne Heimtier nur als graues Gebäude in grauen Gewerbegebieten. Schade. Denn drinnen ist es so was von bunt. Rote, grüne, gelbe Leinen. 300 Futtersorten. Wurfbälle, Zerrseile, Hundewippen. Dazu vielgestaltige Schlafstätten. Auch unser Welpe sollte es gemütlich haben. Die Schnuffelwuffel Decke Multiplo fiel durch, weil mein Kind Rosa hasst. So ging es los. Die Hundevilla Real House wollte ich nicht, da ich ahnte, dass der Hund viermal so groß werden würde. Doggy Brain Train Quadro, das Intelligenzspiel für Hunde, muss ich übersehen haben. Dafür hatte ich nach zwei Minuten einen beißresistenten Stofftiger im Einkaufskorb, der jetzt im Kinderzimmer mit den anderen Kuscheltieren seinen Spaß hat.
Nach einem Mittel gegen Reisekrankheit hatte ich zu fragen vergessen. Doch wenn ich etwas gelernt habe in den letzten Jahren, dann dies: Als Hundebesitzer ist man nie allein. Täglich hole ich Rat von Experten ein. Bei jedem Spaziergang, gratis. Die Hundeexperten reden auf mich ein, während mein Hund mit den Expertenhunden spielt. Ich selbst bin noch nicht so weit. „‘Platz‘ kann er noch nicht.“ „Ach, es gibt auch Hundeflüsterer?“ Meine Sätze verraten mich als Anfänger.
So habe ich gegenüber meinem Hund oft ein schlechtes Gewissen. Ich frage mich, ob ich nicht sogar gegen deutsches Gesetz verstoße, weil ich ihm die Hundeschule vorenthalte. Auch den Hundeführerschein habe ich nicht in Angriff genommen. Noch schwanke ich. Sollte ich nicht zuerst den Kinderführerschein machen? Schließlich war meine Tochter zuerst da. Ich bin ein entscheidungsschwacher Mensch. Mein Hund mag mich trotzdem. Sowieso schläft er am liebsten auf dem Teppich.
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